Erhellende Einsichten zum Thema Frau-Sein
Die ganz normale Frau - aus dem Buch: "Willst du normal sein oder
glücklich" von Robert Betz
Auch die Frauen haben wie die Männer miteinander sehr viel gemeinsam, was ihre eingefahrenen alten Muster, Verhaltens- und Denkweisen angeht. Wenn du, Frau, erkennst, wie eingewoben du noch bist in der Normalität des Gestern, im Käfig der Angst und der Selbstabwertung, und wie du täglich immer wieder einstimmst in den Schmerzgesang der Frauen und teilnimmst an ihren Kämpfen für dies und gegen jenes, erst dann kannst du die offene Tür sehen, die in ein ganz anderes Leben in Freiheit und Liebe führt.
Während das kleine Mädchen sich noch selbstverliebt drehend vor dem Spiegel bewundert, unbekümmert hüpft und singt, träumt und liebt, hat die erwachsene Frau ihre Freude und ihren Stolz am eigenen weiblichen Sein verloren. Dabei wollte sie es doch ganz anders machen als ihre Mutter, die ihr täglich demonstrierte, dass sie nicht noch einmal wählen würde, eine Frau zu sein, falls die sich frei entscheiden könnte. Das Jammern, Klagen und Leiden der Mutter klingt den Frauen ihr Leben lang in den Ohren und die Schuldgefühle ihr gegenüber sowie die Verstrickungen mit ihr halten sie in großer Unfreiheit. Für die meisten hieß die Entscheidung in der Jugend: "Ich will es anders machen als sie! Ich will nicht so unter den Männern leiden, so abhängig sein, diese Ohnmacht und diesen Schmerz spüren müssen." Seit den siebziger Jahren haben sich viele Frauen aufgemacht, sich von der Abhängigkeit vom Mann zu emanzipieren und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit durch eigene Berufstätigkeit zu sichern. Das Heimchen am Herd, das dem Mann die Pantoffeln hinstellt und ihren Schoß öffnet, wenn er pfeift, gehört - besonders in der jüngeren Frauengeneration - der Vergangenheit an. Stattdessen zogen viele Frauen die Hosen an, die oft eher einer Rüstung gleichkommt, und sind hart und männlich geworden. Sie kämpfen und strengen sich an, um zu beweisen, dass sie auf eigenen Füßen stehen können. Und sie können es - im Außen. In ihrem Innenleben sieht es bei den meisten jedoch etwas anders aus.
Im Alter zwischen fünfunddreißig und fünfzig Jahren bemerken viele jetzt, dass auch sie in einer Sackgasse gelandet und nicht glücklich geworden sind. Ihre Körper weinen und leiden an Krankheiten, besonders an den weiblichen Organen Brust, Gebährmutter und Eierstöcke. Der Krebs und andere Erkrankungen wollen ihnen zeigen, dass sie von der Liebe zu sich selbst genauso weit entfernt sind wie die Männer, aber sie hören die Botschaft nicht. Ihre Regelschmerzen zeigen, dass sie es hassen zu bluten und eine Frau zu sein. Und immer noch pflegen sie wie ihre Mütter den großen Schmerzwettbewerb der Frauen. Je größer der Schmerz, den sie vorweisen können, desto größer die Aufmerksamkeit und das Mitleid der anderen Frauen.
Sie sehnen sich nach Liebe, Wertschätzung und Bewunderung von Männern, aber bewundern sich selbst nicht. Sie liegen im Krieg mit ihren Köpern, hassen ihr Fett und ihre Zellulitis, ihre zu großen oder zu kleinen Brüste, lassen sich von Männern mit scharfen Messern ihre Nasen, Brüste und Schamlippen korrigieren, das Fett absaugen, die Haut straffen, die Lippen aufspritzen und malträtieren sich selber mit Diäten und Hungerkuren, die ihnen ihre schreibenden Schwestern von Bunte bis Cosmopolitan gern offerieren.
In der Tradition ihrer Mütter verwurzelt, bewegen die Frauen sich oft in den Angelegenheiten ihres Partners, sie erwarten, fordern, kritisieren, wollen ihn erziehen und verändern, und glauben, wenn er sich endlich ändern würde, dann wäre alles gut. Aber sie erkennen nicht, dass sie genau mit dem Mann zusammen sind, den sie brauchen, weil sie ihr Verhältnis zum Vater ihrer Kindheit bis heute nicht geklärt haben, und weil ihr Partner die Folge ihrer ungeheilten Wunden sowie ihres verzerrten und verurteilenden Vater- und Männerbildes ist. Sie glauben, die besten Männer sind eh schon vergeben, Männer seien Schlappschwänze oder Versager, Machos oder Frauenfeinde, Hallodris oder schwanzgesteuert. Sie sehnen sich nach einem, der treu ist und verantwortungsbewusst, fleißig und erfolgreich, einen, der sie im Bett befriedigt, aber nicht jedem Frauenpo hinterher schaut, mit dem sie über Gefühle und Herzensangelegenheiten sprechen können, der gern mitkommt, die Schwiegereltern zu besuchen, und mit seinen Ideen und Initiativen ihre Ehe in Schwung hält. Sie suchen nach einer gelungenen Mischung von Dackel, Golden Retriever und Hengst. Und wenn sie diese nicht bekommen, hat es natürlich nichts mit ihnen zu tun und sie klagen: "Du bringst es ja nicht!"
Wenn ihre Männer fremdgehen, machen sie ihnen die Hölle heiß und stellen sich wieder einmal als Opfer hin. Sie fragen sich, was die andere hat und sie nicht, und machen sich selbst im Inneren nieder. In ihrer Angst, jemand könnte an ihrer ungeheilten Verlassenheitswunde rühren, kontrollieren sie Handynummern und Jackentaschen, wollen wissen, wen er wieder getroffen hat, oder fragen ganz beiläufig, ob er noch einmal was von seiner Ex gehört habe.
Viele Frauen haben bis heute keinen Orgasmus
erlebt, haben Hemmungen, es sich selbst zu machen und bleiben im Bett in ihrem
kontrollierenden und ängstlichen Kopf stecken. Kein Wunder, dass die betont
männliche Frau, die einen weichen und oft schwachen Mann anzieht, im Bett nicht
nass wird, da für sie Hingabe, Empfänglichkeit und Fallenlassen mit großen
Ängsten verbunden ist, die sie mit allen Mitteln zu kontrollieren versucht. Von
ihren Gefühlen der Angst und Trauer, der Wut und Ohnmacht, der Scham, Schuld
und der Eifersucht lenkt sie sich ebenso ab wie der Mann, und sie tut es mit
Essen, Süßigkeiten, Telefonieren, Shoppen, Arbeiten, Beschäftigung mit ihrem
Körper oder mit viel Einsatz für andere Menschen.
Zu ihren Schwestern, den Frauen, hat die Normalfrau ein zwiespältiges
Verhältnis. Zwar schätzt sie die Gesprächspartnerin und "beste
Freundin" für das vertraute Gespräch auch über intime Angelegenheiten,
aber betont eine Frau mit ihrer Kleidung deutlich ihre weiblichen Reize, wird
sie schnell das Opfer von weiblicher Häme und Tratsch. "Dass die das
nötig hat!" Eine Frau, die offen über ihren außerehelichen Sex spricht,
wird schnell zur "Schlampe", und behauptet eine, sie könne die
leidvolle, innere Befindlichkeit vieler Männer gut verstehen, gilt sie bei
vielen als Verräterin und wird aus dem weiblichen Opferclub hinausgeworfen und
ausgegrenzt. Frauen pflegen durch ihr chronisches Verurteilen täglich ihr
Opferbewusstsein und brauchen sich nicht wundern, wenn sie von einer
Enttäuschung und Verletzung zur nächsten gelangen.
Die Frau ist froh, dass die eigene Mutter nicht zu oft bei ihr anruft, da sie noch lange keinen Frieden mit ihr gemacht hat und ihr gegenüber in der Schuld zu stehen glaubt. Besonders deutlich tritt dies zutage, wenn die Mutter zum Pflegefall wird und die Tochter sich nicht frei genug fühlt, sie in die Obhut eines Heimes oder einer Krankenschwester zu geben. Dann reibt sie sich bei der Pflege und dem gleichzeitigen Berufs- und Familienmanagement auf und erkrankt nicht selten an denselben Organen wie ihre Mutter.
Frauen haben das Leiden und den Schmerz ihres kleinen verletzten Mädchens im innern noch selten erkannt. Lieber projizieren sie es auf das Leid anderer, vor allem auf das Leid der Tiere. Zeige zehn Frauen eine Katze mit drei Beinen und neun von ihnen werden voller Schmerz aufheulen und sie bemitleiden. Aber die Katze hat kein Problem und keinen Schmerz; es ist nur ihr eigener Schmerz, den die Frauen spüren, ihn aber nicht als ihren erkennen.
Die Ära dieser "alten" Frau geht jetzt zu Ende. Denn immer mehr Frauen erkennen jetzt, dass sie selbst durch ihre nicht überprüften Gedanken, ihre unterdrückten Gefühle und ungeheilten Wunden der Kindheit sowie ihre Verurteilung ihrer Väter und der Männer ihr Leiden verursacht und verlängert haben. Die neuen, starken Energien der Transformation, die in diesen Monaten und Jahren sehr viel mehr Licht auf die Erde bringen, durchlichten auch die Schattenseiten des weiblichen Bewusstseins und gewähren den Frauen eine klare Sicht auf die wahren Zusammenhänge von Ursache und Wirkung - darauf, wie sie ihr Frauenleid erschaffen haben.
Auszug aus dem Buch: "Willst du NORMAL sein oder GLÜCKLICH? - Aufbruch in ein neues Leben und Lieben. von Robert Betz im Heyne Verlag erschienen. ISBN 978-3-453-70169-4